Es ist ein unscheinbarer,
aber zutiefst magischer Moment im Weinberg. Im Juni öffnen sich die winzigen Blüten unserer Reben und verströmen einen zarten, fast unmerklichen Duft. Aus jedem dieser kleinen Wunder entsteht in den
kommenden Monaten eine stolze Traube. Die Natur gibt jetzt den Takt vor – und wir begleiten sie mit größter Sorgfalt, um diesen Zauber in die Flasche zu bringen.
Das Wunder der Rebblüte: Wie aus einer Knospe Wein wird
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie die Trauben für Ihren Lieblingswein
entstehen? Die Rebblüte im Frühsommer ist der sensibelste und spannendste Moment im gesamten Weinjahr. Sie legt den Grundstein für die Qualität und Menge des neuen Jahrgangs.
So läuft das kleine Naturwunder im Weinberg ab:
1. Das grüne Versprechen: Die Gescheine
Lange bevor die eigentliche Blüte beginnt, zeigt die Rebe ihre Blütenstände. Winzer
nennen diese noch geschlossenen, grünen Gebilde „Gescheine“. Sie sehen aus wie Miniatur-Weintrauben im Miniformat und warten geduldig auf die ersten warmen
Junitage.
2. Der Hut fliegt ab: Die Vollblüte
Anders als Rosen oder Apfelbäume öffnen Reben keine bunten Blütenblätter. Die
Blüten sind von einer winzigen Schutzkappe geschützt, dem Blütenhäubchen. Sobald das Thermometer verlässlich über 18 °C steigt, passiert das Faszinierende: Die Rebe wirft
dieses Häubchen einfach nach oben ab. Erst dann kommen die Staubbeutel zum Vorschein.
3. Liebe ohne Bienen: Die Selbstbestäubung
Unsere Kulturreben sind echte Einzelgänger und nicht auf Bienen oder Insekten angewiesen. Die Blüten sind zwittrig. Ein leichter
Windhauch genügt, damit der Blütenstaub auf die eigene Narbe fällt. Die Rebe bestäubt sich im Juni also ganz einfach selbst.
4. Das Finale: Der Fruchtansatz
Nach der erfolgreichen Befruchtung wirft die Pflanze die verblühten Teile ab. Der
Fruchtknoten beginnt sofort zu wachsen. Aus jeder einzelnen, winzigen Blüte entsteht in den kommenden Wochen eine saftige Weinbeere.
Warum das Wetter jetzt alles entscheidet
Die Blütezeit ist für uns Winzer eine Zitterpartie. Ist es im Juni zu kalt, nass
oder stürmisch, fallen die Blüten unbefruchtet ab. Diesen Ernteverlust nennen wir „Verrieselung“. Erst wenn die Blüte nach etwa zwei Wochen bei Sonnenschein erfolgreich abgeschlossen ist, atmen wir
auf – und die Vorfreude auf den neuen Jahrgang beginnt!