Im aktuellen
Vegetationsstadium – dem Erreichen der Erbsengröße steht im Weinberg eine der wichtigsten qualitätssichernden Maßnahmen an: das Entblättern der
Traubenzone.
Diese weinbauliche Arbeit ist
kein rein optischer Eingriff, sondern steuert gezielt die Rebphysiologie und das Mikroklima der Trauben:
- Optimierung des
Mikroklimas & Botrytis-Prophylaxe: Durch das Entfernen der Blätter in der Kompaktzone wird die Durchlüftung maximiert. Trauben trocknen nach Niederschlägen oder Tau periodisch deutlich
schneller ab. Dies entzieht Pilzinfektionen wie der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea)
den Nährboden.
- Abhärtung gegen
Sonnenbrand (UV-Anpassung): Erfolgt die Entblätterung frühzeitig bei Erbsengröße, ist die Beerenhaut noch flexibel genug, um eine schützende Schicht gegen UV-Strahlung aufzubauen. Ein späterer
Sonnenbrand bei starker Hitze im August wird so effektiv verhindert.
- Inhaltsstoffe
& Phenolreife: Die direkte Sonnenexposition fördert die Synthese von Phenolen und Anthocyanen (Farbstoffen) in der Beerenhaut. Das Ergebnis sind strukturierte, farbstarke Rotweine und
aromatisch vielschichtigere Weißweine.
- Spray-Applikation: Ein positiver Nebeneffekt ist die bessere Anlagerung von Pflanzenschutzmitteln, da die Applikationsbiomasse reduziert wird und
die Trauben frei zugänglich sind.
Die Kunst des Maßhaltens:
Wir agieren hier mit Fingerspitzengefühl. Zu viel Entblätterung nimmt dem Rebstock die nötige Assimilationsfläche (Blätter) für die Zuckerproduktion. Meist wird – je nach Rebsorte und Ausrichtung –
vor allem die beschattete Nord- bzw. Ostseite moderat entlaubt, um die Trauben zu schützen.
Qualität entsteht eben im
Weinberg, nicht erst im Keller!